Nahrhafte Teamentwicklung

Donnerstag, 21. Mai 2009 12:00

Teamkochen ist meiner Meinung nach die „nahrhafteste“ Form der Teamentwicklung, im wahrsten Sinne dieses Wortes. Letzte Woche haben wir eine ziemlich große Gruppe zum Kochen gebracht: 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Personalabteilung der BBRZ-Gruppe Linz haben ihren Teamtag in diesem Jahr dem Kochen gewidmet, anfangs durchaus nicht unbedingt zur ungeteilten Freude aller.

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Da gab es viele skeptische Meinungen: „Kochen? Was kann das schon werden?“ Oder „Ich muss sowieso jeden Tag kochen – und jetzt auch noch am Teamtag?“ Oder: „Ich kann doch gar nicht kochen und will auch nicht!“ Auch diese Haltung hat es gegeben: „Na gut, dann kochen wir halt ein bisschen, das kann ja kein Problem sein.“

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Ein Problem war es dann eh nicht, aber eine ganz ordentliche Herausforderung schon. Denn wir haben die Kochaufgaben schon so gestaltet, dass die Gruppe sich anstrengen musste.

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Aber das ist ja das Schöne an Gruppen: Es steckt in ihnen normalerweise viel mehr Potenzial als im Arbeitsalltag so sichtbar wird. Beim Kochen werden die üblichen Teams neu aufgemischt, versteckte Ressourcen kommen zum Vorschein und können sich entfalten, und die Teams bringen Sachen zustande, von denen jeder Einzelne nicht mal träumen wollte. Dazu kommt die Freude, die sich beim Kochen in der Gruppe entwickelt, man kommt so richtig in den Flow und merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht. Abstimmung ist ebenso erforderlich wie Zeitmanagement. Aber letztlich zeigt sich, dass viele Wege zu einem guten Ziel führen, wenn alle an einem Strang ziehen.

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In diesem Fall war das Ergebnis ein wirklich grandioses Menü in vier Gängen, das geschmacklich und atmosphärisch alle begeisterte – einschließlich der Erkenntnis, dass sie das selbst zustande gebracht hatten!

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Wenn dann alle 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen: „Das war der beste Teamtag, den wir je gehabt haben!“ dann hat sich die Magie der Küche wieder mal bestätigt und die „Proviantkiste“ für das kommende Arbeitsjahr der Personalabteilung der BBRZ-Gruppe Linz ist erst mal gut gefüllt.

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Rhabarberkuchen

Mittwoch, 20. Mai 2009 19:19

Immer wieder lern ich Leute kennen, die keinen Rhabarber mögen! Die bei Rhabarber nur an saures Kompott denken, das sie schon als Kinder nicht gemocht haben. Allen diesen Menschen widme ich das folgende Rezept:

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20 dkg Rhabarber abziehen (muss beim rosaroten nicht sein) und in ca. 1 cm große Stücke schneiden. Mit 1 EL Zucker und einer Prise Zimt vermischen.

Backrohr auf 180 Grad vorheizen. 12 dkg Butter, 10 dkg Staubzucker, Vanillezucker, Saft und Schale einer halben Bio-Zitrone schaumig rühren. Nach und nach 3 Eidotter dazugeben. 3 Eiklar zu Schnee schlagen und mit 1 EL Kristallzucker ausschlagen.

12 dkg griffiges Mehl, eine Messerspitze Backpulver und den Schnee unter die Buttermasse heben. In eine gebutterte und bemehlte Tarteform (26 – 28 cm) füllen. Die Flüssigkeit vom Rhabarber abgießen und ihn auf der Teigmasse verteilen.

Ins Backrohr schieben und ca. 30 Minuten backen. Nach dem Auskühlen überzuckern.

Das Rezept stammt aus einem meiner Lieblingskochbücher: Sissy Sonnleitner, Um einen Tisch, Verlag Johannes Heyn, 1995. Leider vergriffen. Ich habe den Kuchen schon so oft gemacht, dass sich das Buch von selbst an der Stelle öffnet. In Wirklichkeit brauch ich das Rezept gar nicht mehr, ich kann es auswendig. Die Masse eignet sich auch für andere Kuchen oder einfach als lockerer Rührteig. Mit nur drei Eiern ist sie so klein, dass der Kuchen praktisch immer am Tag des Backens aufgegessen wird. Ich habe die Menge aber auch schon verdoppelt, dann verlängert sich natürlich die Backzeit – muss man ausprobieren.

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Der Kuchen vor dem Backen – die Farben sind doch wirklich wunderbar! Und im Moment muss ich nur in den Garten gehen, wenn ich Rhabarber brauche. Er wächst heuer wie verrückt, nachdem er im Vorjahr nicht so richtig wollte.

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Lieblingscover

Mittwoch, 6. Mai 2009 17:53

Sieben Gründe, den Hörfunk zu lieben – der Autor und Verleger Jochen Jung hat sie in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Ö1-Magazins „gehört“ aufgezählt. Da sind gute Gründe dabei, aber ich muss unbedingt noch einen weiteren anführen: die genialen Gestaltung und vor allem die Coverfotos des Magazins, das man als Ö1-Club-Mitglied bekommt.

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Oder gibt es für dieses Cover noch eine andere Bezeichnung als „genial“?

 

 

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Die ganze Welt in einem Garten

Sonntag, 29. März 2009 15:35

Es wird Zeit für Nachrichten aus dem Garten. Ich habe gestern die Paradeiser, die ich immer selber ziehe,  ausgesät und warte jetzt, dass sie keimen. Heuer werde ich das aber nicht hier dokumentieren, das wäre ja langweilig. Ich habe mich aber schon im Februar mit Gartenthemen beschäftigt, weil ich eine Reportage über einen Gemeinschaftsgarten in Wien für die Zeitschrift Lebensart geschrieben habe.

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Das Foto gibt einen Vorgeschmack auf den Sommer, es stammt von Doris Seyr, einer der GärtnerInnen im Heigerleingarten in Wien Ottakring. Die Reportage gibt es hier  zum Nachlesen, weitere Informationen über Gemeinschaftsgartenprojekte hier.

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Und so hat es ausgesehen, als ich den Heigerleingarten das erste Mal besucht habe. Das ist eine echte Herausforderung, eine Reportage zu schreiben, die im Frühling gelesen wird, wenn der Garten gerade im Schnee versinkt…

 

 

 

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Rot, rot, rot sind alle meine Titel

Freitag, 20. März 2009 18:22

ALLE ist ein bisschen übertrieben, aber Rot ist schon so eine Art Leitfarbe in meinem Blog und kommt auch immer wieder vor – in den Überschriften und den Fotos. Und jetzt also wieder.  Diesmal geht es um Kirschen, die ich letzten Samstag gegessen habe.

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Natürlich haben Kirschen im März keine Saison, es war ja auch eine Kirschsauce, gewürzt mit Zimt und Kardamom – den Rest hab ich vergessen. Es handelt sich um ein Rezept aus dem Jahr 1651 und ich kann versichern, dass die Sauce hervorragend zu frisch gekochten Blut- und Leberwürsten passt.

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Die Sauce wird kalt gegessen, die Würste wurden gekocht – auf einer Kochplatte auf einer Fensterbank in einem Büro. Kochen geht doch wirklich überall. Wer mehr über diese Mahlzeit wissen will, die zu einem meiner Projekte gehört, kann gerne hier ALLES nachlesen.

 

 

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Kulinarische Ergänzung fair geteilt

Donnerstag, 5. März 2009 16:36

Zum Thema „Fair teilen“ ließe sich ja eine ganze Menge sagen, denn was könnte man nicht alles fair teilen? Einkommen, Erwerbsarbeit, Versorgungsarbeit, Küchenarbeit, . . .  aber auch Zeit, Raum, Chancen und noch so einiges mehr. Eine Reportage für das VCÖ-Magazin hat mir vor kurzem in Bezug auf das Teilen einen neuen Blick auf den 6. Wiener Gemeindebezirk eröffnet. Das ist nämlich ein Bezirk, in dem mittels Stadtplanung für mehr Fairness zwischen Frauen und Männern gesorgt wird. Stadt fair teilen – heißt dementsprechend das Projekt.

 

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Verblüfft dabei hat mich, wie groß die Wirkung von vergleichsweise kleinen Maßnahmen ist. Das könnte „man“ doch eigentlich überall machen. Der Spaziergang durch den 6. Bezirk mit Eva Kail und Elisabeth Irschik von der Leitstelle Alltags- und Frauengerechtes Planen und Bauen war jedenfalls sehr spannend für mich und kann hier nachgelesen werden.

 

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Foto: Norbert Novak/VCÖ

Dass ich da gleich an zwei ausgesprochen interessanten kulinarischen Adressen vorbeigegangen bin, wusste ich damals noch nicht. Muss ich aber zumindest hier ergänzen, da das Magazin schon erschienen ist und normalerweise diese Kategorie von Tipps (noch) nicht beinhaltet.

Die erste Adresse ist das Finkh in der Esterhazygasse, ein wunderbarer Platz zum Mittagessen. Ich habe dort zum Beispiel eine herrliche Rote-Rübensuppe mit einem Stück Forelle und beim zweiten Mal die beste Petersilcremesuppe meines Lebens gegessen. Und mittlerweile ist noch eine interessante Adresse dazugekommen, wie ich dank Severin Corti und dem STANDARD weiß: Gleich dort, wo wir die fußgängerfreundliche Ampelschaltung besprochen haben, in der Hofmühlgasse nämlich, gibt es eine Vinoteca Tropea, die allerhand spannende Speisen zu bieten hat. Da muss ich wohl bald wieder mal dort spazieren gehen.

 

 

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Vergleichende Kochforschung

Samstag, 14. Februar 2009 21:56

Es macht ja einen Unterschied, ob in einer Großküche, einer Restaurantküche oder einer privaten Küche gekocht wird. Und es ist spannend, die Küchenarbeit zu vergleichen. Einen kurzen, sehr erhellenden Videofilm gibt es auf einer Website, die sich www.forschungsalltag.de  nennt und im Rahmen eines Forschungsprojektes eine Reihe von Videos zum Thema Essen und Trinken produziert und veröffentlicht hat: Der Film über Küchenarbeit ist ein Beispiel, weitere widmen sich dem Einkaufen, Trinkritualen, Schlaraffenland, Vor und nach der Mahlzeit. Auch Interviews mit Kulturwissenschaftlern gibt es.

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Bei dem Film über Küchenarbeit gefällt mir der direkte Vergleich der Abläufe etwa bei der Herstellung von Kartoffelpüree. Das sieht man ja normalerweise nicht. Und ich weiß danach auch gleich, wo ich lieber essen möchte. Das Foto ist natürlich nicht aus dem Film, das hab ich in einer Gasthausküche am Land in Niederösterreich gemacht.

 

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Alles geklärt?

Dienstag, 27. Januar 2009 19:08

Vor Jahren hab ich es von einer Freundin gelernt und seither bin ich selten ohne: selbst ausgelassenes Butterschmalz oder (indisch) Ghee. Also geklärte Butter, die sich bestens eignet, um Erdäpfelschmarrn zu machen, wie Esskultur-Schreiberin Katha in ihrem Artikel über Rindfleisch so nebenbei erwähnt,  aber auch zum Palatschinken backen (verträgt viel mehr Hitze als ungeklärte Butter und gibt den feinen buttrigen Geschmack). Und natürlich ist Ghee unverzichtbar für indische Gerichte.

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Es ist wirklich keine Hexerei: Ein halbes Kilo Butter bei mittlerer Hitze in einem Topf mit schweren Boden schmelzen lassen. Wenn sie zu brodeln beginnt, auf ganz kleine Flamme schalten und rund 45 Minuten so vor sich hin köcheln lassen. Dabei trennen sich die fetten von den wässrigen und eiweißhältigen Teilen der Butter und man erhält reines Butterfett.

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Man gießt es durch ein mit einem feinen Batisttuch ausgelegtes Sieb und freut sich an der strahlend gelben Farbe. Butterschmalz ist sehr lange haltbar. Die indische Form brutzelt etwas länger, beginnt dadurch leicht zu bräunen und hat dann einen leicht nussigen Geschmack. Wer mehr darüber lesen will, bitte sehr: auf Wikipedia ist ein guter Beitrag dazu.

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Ich hebe es in einem Steinguttopf auf. Es wird fest, wenn es abgekühlt ist und heute hab ich damit Palatschinken gebacken!

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Die Stadtspionin empfiehlt

Sonntag, 25. Januar 2009 18:10

Den wunderbaren Vormittag, den ich heute im Wien Museum verbracht habe, verdanke ich der Stadtspionin, dem großartigsten Newsletter für Kultur (im besten und weitesten Sinn) den es gibt. Er kommt kostenlos jeden Donnerstag per Mail und ohne ihn wäre ich niemals zu dem Vortrag von Kulturvermittlerin Petra Unger über den „Modesalon der Schwestern Flöge“ gegangen, weil ich schlicht und einfach nichts davon gewusst hätte.

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Ich zitiere die Stadtspionin:

 

„Der Modesalon Flöge: Sie war die Design- Ikone der Jahrhundertwende, eröffnete 1904 ihren berühmten Mode- Salon – und ist dennoch den meisten Menschen heute „nur“ als Gustav Klimts Freundin bekannt. Emilie Flöge war eine faszinierende Persönlichkeit, die im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung des Wien-Museums „Emilie Flöge und der Schmuck der Wiener Werkstätten“ steht. Die Kultur- Historikerin Petra Unger erzählt in ihrem Vortrag Spannendes über den Salon Flöge: Wer waren die Kundinnen? Wer nähte die avantgardistischen Reformkleider? Und wie war der Alltag der Frauen um 1900?“

 

Es war eine spannende Stunde, in der ich sehr viel über die Frauen der damaligen Zeit erfahren habe. Der Vortragssaal war sehr voll und das Publikum höchst fachkundig, so dass sich im Anschluss noch ein spannendes Gespräch ergab.

 

Die Stadtspionin kann frau (und man) ganz einfach abonnieren.

 

 

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Kochen nach dem Essen

Dienstag, 6. Januar 2009 15:34

Sonntag nach dem Mittagessen, wenn der Magen angenehm gefüllt ist, ist die beste Zeit zum Kochen. Zum Beispiel ein Schmorgericht für den Vorrat, das man dann einfach nehmen kann, wenn man keine Zeit zum Kochen hatte. Also gut:

40 dkg Bio-Jungrind (Gulasch)

1 große Zwiebel

2 Karotten

1 Stück Sellerie

1 Fenchel

reichlich Rosmarin und Salbei, fein gehackt

80 dkg (2 Dosen) Tomatenpolpa

Rotwein

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Die Zutaten sind – wie fast immer bei mir – variabel. Was der Kühlschrank halt an passendem Gemüse hergibt. Zwiebel, Knoblauch und anderes Gemüse nach Wunsch fein oder grob schneiden und mit den gehackten Kräutern in Olivenöl anbraten. Nach 10 Minuten das Gemüse einfach auf die Seite schieben (geht bei großen flachen Schmortöpfen problemlos) und das würfelig geschnittene Fleisch anbraten. Alles salzen und mit Rotwein ablöschen.

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Gut einkochen lassen, die Tomatenpolpa dazu, umrühren und dann bei eher kleiner Hitze schmoren lassen. Mindestens 2 Stunden, besser noch drei oder vier. Je länger desto besser – man braucht es ja nicht gleich. Obwohl es natürlich extrem gut und sehr verlockend riecht. Kosten muss man sowieso zwischendurch. Wenn es fertig ist, kaltstellen – das geht bei uns derzeit gut im Wintergarten, der gerade als Kühlraum genutzt wird. Danach könnte man es portionieren und einfrieren. . .

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. . . wenn es nur nicht so gut schmecken würde. Also das mit dem Vorrat hat diesmal irgendwie nicht so richtig geklappt. Als Beilage passen übrigens Nudeln, Kartoffelpüree, Gnocchi, Polenta, Cousous oder Weißbrot.

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